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Für viele Menschen beginnt die Überlegung zu einer Hüft- oder Knieprothese nicht mit einer Operation, sondern mit Einschränkungen im Alltag. Treppen werden mühsamer. Spaziergänge werden kürzer. Das Aufstehen vom Stuhl dauert länger als früher. Manche Aktivitäten werden bewusst vermieden, weil sie regelmäßig Beschwerden verursachen. Oft liegen hinter dieser Entwicklung Jahre mit zunehmenden Gelenkbeschwerden. Nicht selten haben Betroffene bereits verschiedene Behandlungen ausprobiert. Medikamente, Injektionen, Physiotherapie oder eigenständiges Training können Beschwerden häufig über längere Zeit reduzieren. Irgendwann entsteht jedoch bei manchen Menschen die Frage, ob ein künstliches Gelenk notwendig werden könnte. Spätestens wenn ein Orthopäde von einer Hüft- oder Knieprothese spricht, beginnt häufig eine Phase der Unsicherheit. Viele Patienten fragen sich, wie lange sie noch warten können, ob eine Operation wirklich notwendig ist und wie das Leben danach aussehen wird.
Hüfte und Knie gehören zu den am stärksten belasteten Gelenken des menschlichen Körpers. Mit jedem Schritt müssen sie Kräfte aufnehmen, verteilen und kontrollieren. Bereits beim normalen Gehen wirken Belastungen, die deutlich über dem Körpergewicht liegen. Beim Treppensteigen oder Aufstehen steigen diese Kräfte nochmals an. Möglich wird dies durch das Zusammenspiel von Knorpel, Knochen, Muskulatur, Bändern und Gelenkflüssigkeit. Verändert sich dieses System über viele Jahre, können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen entstehen. Der häufigste Grund für eine spätere Endoprothese ist deshalb die Arthrose.
Viele Menschen glauben, dass eine Arthrose zwangsläufig mit einem künstlichen Gelenk endet. Die wissenschaftliche Realität sieht deutlich differenzierter aus. Arthrose beschreibt zunächst Veränderungen eines Gelenks. Interessanterweise zeigen Studien seit Jahren, dass Röntgenbilder und Beschwerden nicht immer zusammenpassen. Deshalb entscheidet nicht allein das Röntgenbild darüber, ob eine Prothese sinnvoll ist. Viel wichtiger ist die Frage, wie stark die Beschwerden den Alltag beeinflussen und wie sehr die Lebensqualität eingeschränkt wird.
Die Entscheidung für eine Prothese entsteht meist aus mehreren Faktoren. Dazu gehören Schmerzen im Alltag, Einschränkungen wichtiger Aktivitäten, ein Verlust von Mobilität und ein unzureichender Erfolg konservativer Maßnahmen. Moderne Leitlinien empfehlen deshalb eine gemeinsame Entscheidungsfindung. Nicht das Bild entscheidet über die Operation, sondern die Auswirkungen der Beschwerden auf das Leben des Patienten.
Bei einer Hüftendoprothese werden die geschädigten Gelenkflächen ersetzt. Der Hüftkopf wird durch einen künstlichen Gelenkkopf ersetzt und zusätzlich eine neue Gelenkpfanne eingesetzt. Moderne Implantate bestehen meist aus Titan, Keramik oder speziellen Kunststoffen. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren und eine möglichst gute Funktion wiederherzustellen.
Das Kniegelenk ist deutlich komplexer aufgebaut als die Hüfte. Deshalb existieren verschiedene Prothesentypen. Manchmal genügt der Ersatz eines einzelnen Gelenkabschnitts, in anderen Fällen wird die gesamte Gelenkoberfläche ersetzt. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von den individuellen Veränderungen und Beschwerden ab.
Viele Menschen haben noch die Vorstellung, dass eine Prothese nach zehn Jahren automatisch ausgetauscht werden muss. Diese Annahme stammt häufig aus älteren Daten. Moderne Implantate erreichen heute deutlich längere Standzeiten. Zahlreiche Studien zeigen, dass viele Hüft- und Knieprothesen auch nach 15 bis 20 Jahren noch problemlos funktionieren.
Viele Patienten betrachten den Operationstermin als den eigentlichen Beginn ihrer Behandlung. Tatsächlich entscheidet sich jedoch oft schon Wochen oder Monate vorher, wie gut die spätere Rehabilitation verlaufen wird. In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend gezeigt, dass der körperliche Zustand vor einer Operation einen erheblichen Einfluss auf die Erholung danach hat. Patienten mit einer besseren Muskelkraft, einer höheren allgemeinen Fitness und einer guten körperlichen Leistungsfähigkeit können nach einer Hüft- oder Knieprothese häufig schneller wieder aktiv werden. Dieser Ansatz wird als Prehabilitation bezeichnet. Gemeint ist eine gezielte Vorbereitung auf die Operation durch körperliches Training. Gerade bei fortgeschrittener Arthrose kommt es häufig über Jahre zu einem schleichenden Verlust von Muskelmasse. Viele Betroffene bewegen sich aufgrund der Schmerzen weniger. Besonders die Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur verliert dadurch häufig deutlich an Kraft. Genau diese Muskeln werden nach der Operation jedoch dringend benötigt. Wer bereits vor dem Eingriff Krafttraining betreibt, regelmäßig aktiv bleibt und seine allgemeine Fitness erhält, startet häufig mit deutlich besseren Voraussetzungen in die Rehabilitationsphase.
Viele Patienten erleben nach der Operation zunächst eine Mischung aus Erleichterung und Unsicherheit. Das schmerzhafte Gelenk wurde ersetzt, gleichzeitig muss sich der Körper an die neue Situation anpassen. Die ersten Tage dienen vor allem dazu, die Beweglichkeit wiederherzustellen und grundlegende Alltagsaktivitäten wie Gehen, Aufstehen und Treppensteigen schrittweise zurückzugewinnen. Dabei wird häufig deutlich, dass die Operation zwar das Gelenk ersetzt hat, nicht jedoch die Muskulatur. Genau deshalb beginnt die Rehabilitation meist unmittelbar nach dem Eingriff.
Eine moderne Endoprothese kann verschlissene Gelenkflächen ersetzen. Sie kann jedoch keine Muskeln ersetzen. Aufstehen, Gehen, Treppensteigen, Gleichgewicht halten oder längere Strecken bewältigen hängen auch nach der Operation weiterhin von der Leistungsfähigkeit der Muskulatur ab. Besonders nach einer Knieprothese kommt es häufig zu einem deutlichen Kraftverlust der Oberschenkelmuskulatur. Deshalb gehört gezieltes Krafttraining heute zu den wichtigsten Bestandteilen einer erfolgreichen Rehabilitation. Die Operation schafft die Grundlage für die Verbesserung der Beschwerden. Die eigentliche Funktion entsteht jedoch erst durch die anschließende Rehabilitation und den Wiederaufbau der körperlichen Leistungsfähigkeit.
Früher wurden Patienten nach einer Endoprothese häufig sehr vorsichtig beraten. Heute hat sich diese Sichtweise verändert. Bewegung wird nicht als Gefahr betrachtet, sondern als wichtiger Bestandteil eines aktiven Lebens. Viele Menschen können nach einer erfolgreichen Operation wieder wandern, Rad fahren, schwimmen oder trainieren. Welche Aktivitäten sinnvoll sind, hängt von den individuellen Voraussetzungen ab. Die Vorstellung eines dauerhaft geschonten künstlichen Gelenks entspricht jedoch nicht mehr dem heutigen Stand der Medizin.
Viele Menschen erwarten, dass die Operation allein sämtliche Probleme löst. In der Realität verläuft die Entwicklung häufig etwas differenzierter. Eine Prothese kann Schmerzen reduzieren und Funktion verbessern. Sie ersetzt jedoch nicht automatisch Kraft, Ausdauer, Koordination oder allgemeine Fitness. Deshalb profitieren Patienten besonders dann, wenn sie die Zeit vor und nach der Operation aktiv nutzen.
Eine Hüft- oder Knieprothese gehört heute zu den erfolgreichsten orthopädischen Eingriffen überhaupt. Entscheidend für das Ergebnis sind jedoch nicht nur die Operation selbst und die Qualität des Implantats. Auch der körperliche Zustand vor dem Eingriff sowie der anschließende Kraftaufbau spielen eine zentrale Rolle. Mit moderner Chirurgie, einer guten Rehabilitation und einer aktiven Rückkehr in den Alltag können viele Menschen nach einer Endoprothese wieder ein hohes Maß an Lebensqualität erreichen.
AWMF Leitlinie Coxarthrose; AWMF Leitlinie Gonarthrose; NICE Guideline Osteoarthritis; National Joint Registry (NJR); American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS); Evans JT et al. Lancet 2019.