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Magnetresonanztomografie

Die Magnetresonanztomografie (MRT) gilt oft als das „Goldstandard“-Verfahren der modernen Diagnostik. Sie liefert beeindruckend scharfe Bilder aus dem Inneren des Körpers, ganz ohne Röntgenstrahlen. Doch trotz ihrer technologischen Überlegenheit hat die MRT-Untersuchung auch ihre Schattenseiten und Grenzen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass ein MRT-Bild nicht immer die „ganze Wahrheit“ über einen Patienten verrät. Hier ist eine ausführliche Analyse der Mängel, Grenzen und Fallstricke dieser Untersuchungsmethode.


Das Handbuch zur MRT-Untersuchung: Glanz und Grenzen der Schichtbilder

Einleitung: Das Auge sieht nur, was es weiß

Ein MRT funktioniert mit extrem starken Magnetfeldern und Radiowellen, die die Wasserstoffatome im Körper zum Schwingen bringen. Ein Computer errechnet daraus Kontraste. Doch ein MRT-Bild ist kein Foto, sondern eine digitale Interpretation. Mängel entstehen dabei auf drei Ebenen: technologisch, biologisch und psychologisch.


Kapitel 1: Die technologischen Mängel und Grenzen

1. Artefakte – Wenn das Bild „lügt“

Da das MRT auf Magnetfeldern basiert, reagiert es extrem empfindlich auf kleinste Störungen. Diese Bildfehler nennt man Artefakte.

  • Metall im Körper: Implantate, Granatsplitter oder auch Tätowierungen mit metallhaltigen Farben können das Magnetfeld so stark verzerren, dass der Bereich um das Metall herum auf dem Bild schwarz bleibt oder verzerrt dargestellt wird.

  • Bewegungsunschärfe: Da eine MRT-Messung oft mehrere Minuten dauert, führt schon leichtes Atmen, Schlucken oder der Herzschlag zu unscharfen Bildern. Für Patienten mit Schmerzen, die nicht stillhalten können, ist das ein massives Problem.

2. Die „Röhre“ als Barriere

Die physikalische Bauweise (ein enger Tunnel) führt dazu, dass bis zu 10 % der Patienten die Untersuchung aufgrund von Klaustrophobie abbrechen oder gar nicht erst antreten. Auch extrem übergewichtige Menschen stoßen hier buchstäblich an die Grenzen der Technik.


Kapitel 2: Die biologischen Mängel (Überdiagnostik)

Dies ist vielleicht der bedeutendste Mangel der MRT-Diagnostik: Sie findet oft „zu viel“.

1. Zufallsbefunde ohne Krankheitswert

Das MRT zeigt kleinste Abweichungen von der Norm. Wir wissen heute aus großen Studien, dass viele gesunde Menschen ohne Schmerzen im MRT „krankhafte“ Befunde zeigen (z. B. Bandscheibenvorfälle oder Meniskusrisse).

  • Das Problem: Wenn ein Patient Rückenschmerzen hat und man im MRT einen Verschleiß findet, wird dieser oft voreilig als Ursache definiert, obwohl er vielleicht schon seit Jahren schmerzfrei vorhanden war.

2. Fehlende Darstellung von Funktionen

Ein MRT zeigt die Struktur, aber nicht die Funktion. Es zeigt, wie ein Gelenk aussieht, aber nicht, wie es sich unter Last bewegt oder wie die Muskeln zusammenspielen. Schmerzen entstehen aber oft durch Fehlsteuerungen der Nerven oder Verspannungen der Faszien – Dinge, die im MRT oft unsichtbar bleiben.


Kapitel 3: Die Risiken und Nebenwirkungen

Obwohl keine Strahlung verwendet wird, gibt es Mängel in der Verträglichkeit:

  • Kontrastmittel-Problematik: Um Entzündungen oder Tumore besser zu sehen, wird oft Gadolinium gespritzt. Bei Menschen mit Nierenschwäche kann dies schwere Komplikationen auslösen. Zudem gibt es Hinweise, dass sich winzige Mengen dieser Metalle im Gehirn ablagern können, wobei die Langzeitfolgen noch nicht vollständig geklärt sind.

  • Lärmbelastung: Das Klopfen im Gerät kann bis zu 120 Dezibel erreichen (vergleichbar mit einem Presslufthammer). Trotz Gehörschutz ist dies für sensible Menschen eine enorme Belastung.


Kapitel 4: Der psychologische Mangel – Die „Verdinglichung“

Ein MRT-Befund kann Patienten „krank machen“. Wenn ein Patient liest, er habe eine „schwere Degeneration“ oder einen „Verschleiß Grad 4“, führt das oft zu Angstvermeidung. Der Patient schont sich übermäßig, die Muskeln bauen ab, und die Schmerzen werden durch die Inaktivität schlimmer. Mediziner nennen das den Nocebo-Effekt: Die schlechte Nachricht im Befund verschlechtert den Heilungsverlauf.


Kapitel 5: Wirtschaftliche und organisatorische Mängel

  • Kosten und Verfügbarkeit: Ein MRT ist teuer. Dies führt dazu, dass Patienten oft wochenlang auf einen Termin warten müssen, während eine einfache klinische Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt sofort Klarheit schaffen könnte.

  • Zeitdruck bei der Auswertung: Radiologen müssen oft hunderte Bilder in wenigen Minuten beurteilen. Dabei können feine Details übersehen oder Standardfloskeln verwendet werden, die dem Einzelfall nicht gerecht werden.


Fazit: Das MRT ist ein Werkzeug, kein Orakel

Der größte Mangel der MRT-Untersuchung ist das blinde Vertrauen, das wir ihr schenken. Ein MRT-Bild sollte niemals alleinige Grundlage für eine Therapie oder gar eine Operation sein. Es ist lediglich ein Puzzleteil, das nur im Zusammenhang mit der körperlichen Untersuchung und der Schilderung des Patienten Sinn ergibt.


Quellenverzeichnis

  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Richtlinien zur Angemessenheit von Bildgebungsverfahren.

  • Choosing Wisely Initiative: Empfehlungen zur Vermeidung von unnötiger Bildgebung bei Rückenschmerzen.

  • BfS (Bundesamt für Strahlenschutz): Leitfaden zu den physikalischen Wirkmechanismen und Sicherheitsaspekten der MRT.

  • Radiologie.de: Fachportal für Patientenaufklärung über Kontrastmittel und Artefakte.

  • The Lancet: Studien zur Häufigkeit von Zufallsbefunden bei beschwerdefreien Probanden.