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Osteoporose, oft als „Knochenschwund“ bezeichnet, ist eine Erkrankung, die das Gerüst unseres Körpers schleichend schwächt. Das Tückische daran ist, dass man den Abbau der Knochensubstanz über Jahre hinweg weder spürt noch sieht – bis es plötzlich zum ersten Bruch kommt. Doch Osteoporose ist kein unausweichlicher Teil des Alterns. Mit dem richtigen Wissen über Vorbeugung und moderne Therapien lässt sich die Stabilität der Knochen bis ins hohe Alter erhalten.
Hier ist ein ausführlicher Überblick über die Biologie der Knochen, die Entstehung der Porosität und wie man sein Skelett wirksam schützt.
Viele Menschen stellen sich Knochen wie totes Material vor, ähnlich wie Beton oder Stein. In Wahrheit ist unser Skelett jedoch ein hochaktives, lebendiges Organ. Es wird ständig umgebaut. Spezialisierte Zellen, die „Knochenaufbauer“ (Osteoblasten) und die „Knochenabbauer“ (Osteoklasten), arbeiten Hand in Hand.
In jungen Jahren überwiegt der Aufbau: Bis etwa zum 30. Lebensjahr erreichen wir unsere maximale Knochenmasse (Peak Bone Mass). Danach kippt das Gleichgewicht ganz natürlich leicht in Richtung Abbau. Bei einer Osteoporose ist dieser Abbau jedoch so stark beschleunigt oder der Aufbau so gestört, dass die Knochenstruktur porös und instabil wird.
Ein Knochen ist im Inneren aufgebaut wie ein Schwamm. Er besteht aus feinen Balken, den sogenannten Trabekeln.
Die gesunde Struktur: Bei einem gesunden Knochen sind diese Balken dick und eng miteinander vernetzt. Das macht den Knochen elastisch und gleichzeitig belastbar.
Die osteoporotische Struktur: Bei Osteoporose werden diese Balken dünner, sie brechen durch und die Hohlräume dazwischen werden größer.
Stellen Sie sich ein Fachwerkhaus vor, bei dem man nach und nach die tragenden Balken entfernt. Von außen sieht das Haus noch stabil aus, aber bei der kleinsten Erschütterung kann es in sich zusammenbrechen. Genau das passiert bei der Osteoporose: Knochen brechen plötzlich ohne große Gewalteinwirkung, etwa beim Heben einer schweren Einkaufstasche oder bei einem leichten Stolperer.
Warum gerät der Knochenstoffwechsel bei manchen Menschen so stark aus den Fugen?
Dies ist die häufigste Ursache. Östrogen schützt die Knochen, indem es die Knochenabbauer bremst. Wenn der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, verlieren Frauen oft innerhalb weniger Jahre einen erheblichen Teil ihrer Knochenmasse.
Kalzium ist der wichtigste Baustoff des Knochens. Damit das Kalzium aber überhaupt aus dem Darm in die Knochen eingebaut werden kann, wird Vitamin D benötigt. Da unser Körper Vitamin D nur unter Sonneneinstrahlung in der Haut produzieren kann, herrscht in unseren Breitengraden (besonders im Winter) oft ein Mangel.
Die langfristige Einnahme von Kortison ist ein bekannter „Knochenräuber“. Auch chronische Entzündungen (wie Rheuma) oder Schilddrüsenüberfunktionen können den Knochenabbau beschleunigen.
Rauchen verschlechtert die Durchblutung des Knochens, und übermäßiger Alkoholkonsum schädigt direkt die knochenaufbauenden Zellen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist Bewegungsmangel: Knochen brauchen Druck und Zug durch die Muskeln, um das Signal zum Aufbau zu erhalten.
Osteoporose schmerzt anfangs nicht. Es gibt jedoch Warnzeichen, die man ernst nehmen sollte:
Abnahme der Körpergröße: Wenn man mehr als 3 bis 4 Zentimeter kleiner wird, kann das an unbemerkten Einbrüchen der Wirbelkörper liegen.
Der „Witwenbuckel“: Eine zunehmende Krümmung der oberen Wirbelsäule.
Plötzliche Rückenschmerzen: Ein Wirbelbruch kann sich wie ein Hexenschuss anfühlen.
Knochenbrüche ohne echtes Trauma: Ein Bruch des Handgelenks oder des Oberschenkelhalses bei einem harmlosen Sturz aus dem Stand.
Um das Risiko für Brüche einzuschätzen, nutzt die Medizin die Knochendichtemessung (DXA).
Das Verfahren: Eine spezielle, sehr schwache Röntgenstrahlung misst den Kalksalzgehalt an der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkelhals.
Der T-Wert: Das Ergebnis wird als T-Wert angegeben.
Ein Wert bis -1,0 gilt als normal.
Zwischen -1,0 und -2,5 spricht man von einer Vorstufe (Osteopenie).
Ab -2,5 liegt eine Osteoporose vor.
Eine moderne Behandlung ruht auf drei Säulen: Ernährung, Bewegung und – falls nötig – Medikamente.
Eine kalziumreiche Ernährung (Milchprodukte, grünes Gemüse wie Brokkoli, kalziumreiches Mineralwasser) ist die Grundlage. Vitamin D wird oft als Supplement ergänzt, da die Sonne allein meist nicht ausreicht.
Wenn das Bruchrisiko hoch ist, kommen Medikamente zum Einsatz, die direkt in den Knochenstoffwechsel eingreifen:
Bisphosphonate: Sie lagern sich am Knochen an und hemmen die Abbauzellen.
Antikörper (z.B. Denosumab): Diese werden halbjährlich gespritzt und verhindern die Aktivierung der Abbauzellen.
Knochenaufbauende Stoffe: In schweren Fällen können Hormone gespritzt werden, die den Aufbau aktiv fördern.
Knochen sind „trainierbar“. Besonders wirksam ist ein moderates Krafttraining oder Sportarten mit Stoßbelastung (wie zügiges Wandern), da die Erschütterungen den Knochen zum Wachsen anregen.
Bei Osteoporose ist ein Sturz oft das größte Risiko. Daher gehört zur Behandlung auch, das Umfeld sicher zu machen:
Stolperfallen (lose Teppiche, Kabel) in der Wohnung entfernen.
Für gute Beleuchtung sorgen.
Das Gleichgewicht trainieren, um Stürze im Ansatz abzufangen.
Osteoporose ist keine Einbahnstraße. Je früher man beginnt, auf eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen und regelmäßige Bewegung zu achten, desto widerstandsfähiger bleibt das Skelett. Auch wenn die Diagnose bereits steht, können moderne Medikamente das Risiko für Brüche heute drastisch senken.
DVO (Dachverband Osteologie e.V.): S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose.
Kuratorium Knochengesundheit e.V.: Patientenleitfäden und Informationen zur Ernährung.
Robert Koch-Institut (RKI): Daten zur Prävalenz von Osteoporose in der deutschen Bevölkerung.
Stiftung Gesundheitswissen: Wissensportal zu Knochengesundheit und Sturzprävention.
Pschyrembel Online: Medizinisches Lexikon, Fachartikel zum Knochenstoffwechsel.