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Tendinopathie

Tendinopathie – Das Handbuch für Patienten

Einleitung

Schmerzen an einer Sehne gehören zu den häufigsten Beschwerden im Alltag und Sport. Viele Betroffene hören Begriffe wie „Sehnenentzündung“, „Überlastung“ oder „Verschleiß“ und fragen sich, ob sie die betroffene Region künftig schonen müssen. Moderne Forschung zeigt jedoch, dass die meisten länger bestehenden Sehnenbeschwerden deutlich komplexer sind. Heute spricht man häufig von einer Tendinopathie – einer Störung der Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit der Sehne.

Kapitel 1: Was ist eine Tendinopathie?

Eine Tendinopathie beschreibt eine schmerzhafte Veränderung einer Sehne. Besonders häufig betroffen sind die Achillessehne, die Patellarsehne am Knie, die Rotatorenmanschette der Schulter oder die Sehnenansätze am Ellenbogen. Früher wurde oft von einer Entzündung ausgegangen. Heute weiß man, dass bei chronischen Beschwerden meist strukturelle Anpassungen und eine verminderte Belastbarkeit im Vordergrund stehen.

Kapitel 2: Die Aufgabe der Sehne

Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen und übertragen Kräfte. Bei jedem Schritt, Sprung oder Griff wirken erhebliche Kräfte auf das Gewebe. Damit eine Sehne belastbar bleibt, passt sie sich kontinuierlich an Belastungen an. Belastung ist deshalb kein Problem, sondern eine wichtige Voraussetzung für gesunde Sehnen.

Kapitel 3: Wie entsteht eine Tendinopathie?

Die häufigste Ursache ist ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit. Steigt die Belastung schneller an, als sich die Sehne anpassen kann, entstehen Beschwerden. Häufige Auslöser sind Trainingssteigerungen, ungewohnte körperliche Arbeit oder ein zu schneller Wiedereinstieg nach längeren Pausen.

Kapitel 4: Warum Schmerzen nicht automatisch Schäden bedeuten

Viele Menschen setzen Schmerzen mit einem strukturellen Schaden gleich. Studien zeigen jedoch, dass Veränderungen in Ultraschall oder MRT auch bei beschwerdefreien Personen vorkommen können. Umgekehrt können starke Schmerzen bei relativ geringen strukturellen Veränderungen auftreten. Entscheidend ist daher immer das Gesamtbild aus Beschwerden, Funktion und Belastbarkeit.

Kapitel 5: Typische Beschwerden

Tendinopathien entwickeln sich häufig schleichend. Typisch sind Anlaufschmerzen, Beschwerden bei Belastung, Morgensteifigkeit und eine reduzierte Belastbarkeit. Viele Patienten berichten, dass die Beschwerden während der Aktivität teilweise nachlassen und anschließend wieder zunehmen.

Kapitel 6: Hilft Schonung?

Kurzfristige Entlastung kann Beschwerden reduzieren. Dauerhafte Schonung führt jedoch häufig dazu, dass die Belastbarkeit der Sehne weiter abnimmt. Moderne Leitlinien empfehlen daher eine angepasste Belastungssteuerung statt vollständiger Ruhe.

Kapitel 7: Untersuchung und Diagnostik

Eine sorgfältige Untersuchung bildet die Grundlage jeder Behandlung. Neben der Anamnese spielen Bewegungs-, Kraft- und Belastungstests eine wichtige Rolle. Ziel ist es, die aktuelle Belastbarkeit möglichst genau einzuschätzen.

Kapitel 8: Was hilft wirklich?

Die wissenschaftliche Evidenz zeigt, dass ein strukturierter Belastungsaufbau die wirksamste Maßnahme darstellt. Je nach Situation kommen isometrische Übungen, Krafttraining und später funktionelle Belastungen zum Einsatz. Entscheidend ist die schrittweise Steigerung der Belastung.

Kapitel 9: Prognose

Sehnen passen sich langsamer an als Muskeln. Verbesserungen benötigen häufig mehrere Wochen bis Monate. Mit Geduld, einem individuell angepassten Trainingsprogramm und konsequenter Belastungssteuerung können die meisten Patienten ihre Belastbarkeit jedoch deutlich verbessern.

Fazit

Eine Tendinopathie ist meist keine klassische Entzündung, sondern das Ergebnis eines Ungleichgewichts zwischen Belastung und Belastbarkeit. Moderne Therapie setzt daher auf Untersuchung, Belastungssteuerung und aktives Training statt auf reine Schonung.

Quellen (Auswahl)

Cook & Purdam (2009), British Journal of Sports Medicine. Cook et al. (2016), Revisiting the Continuum Model of Tendon Pathology. Martin et al. (2024), JOSPT Clinical Practice Guideline Achilles Tendinopathy. Silbernagel et al. (2020), Journal of Athletic Training. Malliaras et al. (2013), Sports Medicine.